Freitag, 20. April 2012

Wie oft darf man grillen?

Wenn das Grillgericht vor Gericht führt…

Brutzeln Steak und Wurst appetitlich auf dem Rost, sind die Deutschen in Ihrem Element: Grillen gehört bei uns zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten im Sommer. Laut den Ergebnissen einer kürzlich durchgeführten Umfrage grillen 47% aller Familien im Sommer „oft bis sehr oft“.

Über das „Wie“ gibt es geteilte Meinungen. Für viele Grillmeister ist der Holzkohlegrill die einzig akzeptable Art, das Fleisch zu garen, weil es nur so sein unverwechselbar rauchiges Aroma erhält. Da beginnt allerdings die Problematik: Gerade in Mietshäusern können Nachbarn und Mitbewohner sich von Rauch und Geruch belästigt fühlen. Weil jemand einfach nur entspannt grillen wollte, sind schon viele Nachbarschaftsstreitigkeiten vom Zaun gebrochen, die ihr Ende vor Gericht fanden und eine saftige Geldstrafe mit sich zogen. Damit es Ihnen nicht ähnlich ergeht, geben wir in diesem Post Aufschluss über die Rechtslage.

Verschiedene Richter, verschiedene Meinungen

Leider müssen wir etwas ausschweifen. Ein Leiturteil, wie oft und in welchem Umfang gegrillt werden darf, gibt es nicht – dafür aber eine Menge Urteile verschiedener Gerichte, die eine ungefähre Leitlinie geben und an denen sich die Rechtssprechung mittlerweile orientiert. Das sollten Sie auch tun, wenn Sie in Nähe der Nachbarschaft die Holzkohle anfeuern möchten. Eine Garantie ist dies allerdings nicht.

Strenge Regeln für den Mietbalkon
Schlechte Nachrichten für Mieter: Wenn Ihr Mietsherr Ihnen das Grillen zu Hause grundsätzlich verbietet, müssen Sie das so hinnehmen. Laut einem Urteil des Amtsgerichts Essen spielt dann auch keine Rolle, welche Art von Grill Sie benutzen. Werfen Sie am besten gleich einen Blick in den Mietvertrag, ob dies dort geregelt ist. Wenn nicht, gilt sozusagen eine stille Regelung, die das Amtsgericht in Bonn ausgesprochen hat: Im Sommer darf einmal pro Monat auf dem Balkon einer Mietswohnung gegrillt werden. Voraussetzung: Der Grillmeister setzt seine Mitbewohner mindestens 48 Stunden vorher von seinen Plänen in Kenntnis.

Beim Standort flexibel sein
Wer bereit ist, mit dem Grill umzuziehen, darf öfter ran: Das Bayerische Oberlandesgericht hat befunden, dass an der Stelle der Terrasse, die am weitesten vom Nachbarn entfernt ist, sogar zwei Mal im Monat gegrillt werden darf. Selbstverständlich gilt das nicht nur für Mehrfamilienhäuser.

Grillen scheibchenweise
Das Landgericht Stuttgart gesteht Grillfreunden mit empfindlichen Anwohnern eine Gesamtgrillzeit von sechs Stunden pro Sommer zu, wobei ein Durchgang die Zwei-Stunden-Grenze nicht überschreiten darf.

Schlafzimmer und Wohnzimmer bloß nicht ausräuchern
Regel Nummer 1, um Ärger zu vermeiden: Stellen Sie sicher, dass Qualm und Abluft niemals in Richtung Nachbars Schlafzimmer oder Wohnzimmer entweichen können. Wie sich gezeigt hat, verstehen die Richter da keinen Spaß und sehen darin einen Verstoß gegen die Landesimmissionsschutzgesetze (Oberlandesgericht Düsseldorf). Das kann teuer werden! Diese Gesetze sind Ihnen vielleicht noch aus unserem Artikel über die erlaubte Lautstärke bei Gartenfeiern im Gedächtnis. Das ist natürlich auch beim Grillen ein relevantes Thema. Pünktlich zur Nachtruhe ab 22 Uhr muss Schluss mit Geräuschen und Gerüchen sein!

Unantastbar: die Grillplätze
Keinerlei Beschränkungen gelten für öffentliche Grillplätze. Dort darf gegrillt werden, so oft man möchte, entschied das Landgericht Berlin. An welche Uhrzeiten und Regeln man sich dabei zu halten hat, verrät die jeweilige Platzordnung.

Fazit: Wo kein Kläger, da kein Richter. Falls es weit und breit niemanden gibt, auf den Sie Rücksicht nehmen müssen, brauchen Sie die Vorschriften nicht zu interessieren. In enger Nachbarschaft zu leben bedeutet allerdings, Rücksicht nehmen zu müssen. Das heißt nicht, dass man nicht mit kleinen Tricks arbeiten darf. Auf Ihren Rost passt doch sicherlich noch eine Wurst für den Nachbarn, oder? Vom Grillgut unaufgefordert etwas abzugeben, hat schon so manchen Anwohner toleranter gegenüber Grillgeruch gemacht.
Reaktionen:

1 Kommentare:

Andersreisender hat gesagt…

Gottseidank sind meine Grillereien auf "Balkonien" bisher ohne größere Probleme verlaufen. Das liegt bestimmt auch daran, dass ich im obersten Stockwerk wohne und eigentlich nur einen kleinen Elektro-Ofen bzw. Gas verwende. Mit Holzkohle wäre mir die Sache ehrlich gesagt ohnedies zu "heiß". Ich hätte sorge, dass durch den Funkenflug im dicht besiedelten Gebiet jemand zu Schaden kommenkönnte.

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