Freitag, 4. Mai 2012

Städtenamen mit Holz

Eine Reise zu den „holzigsten“ Städten Deutschlands

Holz ist überall: Auf dem Boden, an Decke und Wänden und überall, wohin man sonst noch blickt. Holz ist so prominent, dass es sich sogar in die Namen einiger deutscher Städte geschmuggelt hat.

Platz nehmen, anschnallen und zurücklehnen – „Gut Holz!“ Tours nimmt Sie mit auf eine Rundreise durch die Republik, auf der wir diese Orte besuchen und erkunden, warum sie das Wörtchen „Holz“ im Namen tragen.

Auf der beigefügten Deutschlandkarte finden Sie unsere Stationen markiert. Die Ziffern markieren die Lage der im Fließtext genannten Städte.

Unser Trip beginnt in Bayern, 25 Kilometer südlich von München. Dort liegt Holzkirchen (1). Im sechsten Jahrhundert war Oberbayern noch dicht mit Laubbäumen beforstet. Die Menschen rodeten einzelne Stellen, um nach und nach Siedlungen aufzubauen. Das heutige Holzkirchen mit seinen etwa 15.500 Einwohnern begann mit einer einzelnen Kirche mitten im Wald. So erklärt sich sein Name. Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an die gleichnamige Autobahnraststätte, die man auf dem Weg nach Österreich passiert.

Wir verlassen den Freistaat und betreten Baden-Württemberg. Etwa 12.700 Baden leben hier in Holzgerlingen (2), dessen Name sich von Gero, einem alamannischen Sippenführer, herleitet. Die Alamannen hatten sich einst in Holzgerlingen niedergelassen. Wie „Holz“ ins Spiel kam, ist leider nicht überliefert.

Willkommen in Rheinland-Pfalz! Holzbach (3) im Hunsrück ergibt sich aus einer Kombination des charakteristischen Baches, der durch das Dorf fließt und die ursprünglich landwirtschaftliche Prägung. Unter den heute knapp 600 Einwohnern befanden sich früher viele Holzbauern.

Wir machen einen kleinen Abstecher nach Hessen, genauer gesagt nach Münchholzhausen (4). Der Stadtteil von Wetzlar fasst knapp 2.500 Einwohner und war urkundlich erstmals als „Holzhausen“ erwähnt. Um sich von den anderen Ortschaften gleichen Namens abzuheben, eignete man sich die Vorsilbe „Münch“ an. Sie geht auf die Mönche des ehemaligen ortsansässigen Prämonstratenserinnenklosters Altenberg zurück.

Holz (5) ist nicht nur unser liebster Werkstoff, sondern auch eine kleine Hofschaft, die zu Lindlar in Nordrhein-Westfalen gehört. Auch hier wird vermutet, dass der Name auf der Rodung eines Waldgebietes basiert.

Unser nächster Zielort ist Holzminden (6) in Niedersachsen. In der Nähe der etwa 20.000 Einwohner zählenden Stadt mündet die Holzminde, ein Nebenfluss der Weser, in eben diese. Sinngemäß übersetzt bedeutet der Name des Flusses „Waldbach“, woher die Verbindung zum Holz rührt.

Wir bewegen uns wieder durch Nordrhein-Westfalen und machen Halt in Borgholzhausen (7). Dessen Stadtkern liegt in einem Pass des Teutoburger Waldes – und schon wissen wir, woher die etwa 8.600 Einwohner starke Stadt ihren Namen hat.

Nur knapp 35 Kilometer weiter nördlich liegt Bad Holzhausen (8), der liebste Kurort eines jeden Holzkopps. In alten Urkunden wurde die Stadt als „Holzhusun“ erwähnt, weil die ortsansässigen Bauern damals viel mit Holz handelten.

Willkommen in Niedersachsen! Hier erkunden wir die Stadt Diepholz (9) (ca. 16.600 Einwohner). Bevor das heutige Stadtgebiet bewohnt werden konnte, mussten viele fleißige Hände in mühevoller Arbeit zunächst eine Sumpflandschaft trocken legen und ein Waldgebiet roden. Dieses „Gehölz, wo etwas im Verborgenen geschieht“ bedeutet in Altdeutsch übersetzt „Deefholz“, was über 600 Jahre lang offizieller Stadtname war. Erst später wandelte er sich in „Diepholz“.  

Und weiter geht’s! Wie Sie dem Reiseplan entnehmen, befinden wir uns gerade in Osterholz-Scharmbeck (10), einem Zusammenschluss der Orte Osterholz und Scharmbeck im Jahre 1927 mit aktuell etwa 30.000 Einwohnern. „Osterholz“ weist darauf hin, dass es im östlichen Teil der Stadt früher einmal ein großes Waldgebiet gegeben haben muss.

Im Osten unserer nächsten Etappe Buchholz in der Nordheide (11) befindet sich der Klecker Wald mit seiner beeindruckenden Buchenpopulation. Damit wäre das Geheimnis um die Entstehung des Ortsnamens ja gelüftet, oder? Nein! Die Wahrheit mag Sie verblüffen: Buchholz leitet sich von seinem früheren Namen „Bockholte“ ab. Das ist ein veralteter Begriff für „Ort, an dem Schafe und Ziegen gedeckt werden“. Noch heute gibt es unter den 39.000 Buchholzer Bürgern viele Landwirte.

Nach einer langen Fahrt quer durch die Republik erreichen wir unser letztes Ziel, Holzdorf bei Weimar (12) in Thüringen. Obwohl der Ortsteil der Kulturstadt über ein Waldgebiet im Westen verfügt, ist das nicht ausschlaggebend für den Namen. Zum Glück gibt es ja noch die „Gut Holz!“-Reiseleitung. Wir haben Historiker befragt, die uns erklärten, dass der Name vielmehr geografisch bedingt ist. Der Ort liegt im Tal einer Anhöhe und tauchte in Urkunden erstmals als „Halsdorf“ auf, wobei „Hals“ mittelhochdeutsch „fortlaufende schmale Höhe“ heißen kann.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Holzdorf vom Tourenplan gestrichen haben. Diesen Ort gibt es allein in Deutschland über 50 Mal und hätte den Rahmen unseres Ausflugs gesprengt. Auch manche Städte, die wir besucht haben, mögen weitere Namensvetter in Deutschland haben. Wir haben jeweils den Vertreter gewählt, der für die Route sinnvoll war.

Liebe Gäste, an dieser Stelle müssen wir uns leider von Ihnen verabschieden. In diesem Sinne: „Gut Holz!“ und „thank you for travelling with holzstich.blogspot.de”!
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