Donnerstag, 22. August 2013

Parkett richtig schleifen

Ob ein neu verlegter Parkett- oder Dielenboden bearbeitet oder ein alter Bodenbelag renoviert werden soll, in beiden Fällen muss vor dem Versiegeln die Oberfläche geschliffen werden. Das Schleifen beziehungsweise Abschleifen gewinnt immer mehr an Bedeutung und jedem Bauherr stellt sich die Frage, ob er dafür einen Fachmann ruft oder sich selber an die Prozedur herantraut. Doch wenn man wichtige Punkte und Schritte beim Schleifen beachtet, ist es in jedem Fall eine machbare Herausforderung und man spart sich das Geld für den teuren Handwerker. Zunächst widmen wir uns einem neu verlegten Parkett- oder Dielenboden.

Prinzipiell erfolgt die Bearbeitung des Bodens in fünf Schleifgängen:
der Grundschliff
der Mittelschliff
der Ränder- und Eckenschliff
der Feinschliff
und zuletzt der Zwischenschliff und die Versiegelung

Wichtig dabei ist auf die richtige Körnungsreihenfolge [K] zu achten, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Die Körnung des Schleifmittels gibt die Größe des Korns auf dem Schleifpapier an. Je kleiner die Zahl desto gröber ist die Körnung.

Die normale Körnungsreihenfolge ist:
K16 – K24 – K30 – K36 – K40 – K60 – K80 – K100 – K120 – K150

Der Grundschliff

Der Grund- oder Grobschliff ist sehr wichtig, damit Unebenheiten und Überstände egalisiert werden. Dabei sollte für den Schleifgang eine grobe Körnung von 30K bis 40K gewählt werden. Relevant ist dabei die Schleifrichtung, die diagonal erfolgen sollte, damit weiche Stäbe nicht zu tief angeschliffen werden. Bei den weiteren Schleifgängen hängt die Schleifrichtung von der Oberfläche ab. So wird bei Mosaik- oder in Würfel verlegtem Parkett diagonal zum Faserverlauf geschliffen. Stabparkett wird in einem Winkel von circa 7 bis15 Grad geschliffen, jedoch bei dem Feinschliff in Faserrichtung. Und bei Dielenböden erfolgt der Schliff parallel zum Dielenverlauf. Zudem ist es wichtig, bei jedem Schleifgang darauf zu achten, dass mit der Schleifmaschine nicht stehen geblieben wird oder die Richtung geändert werden sollte, sonst entstehen nicht mehr zu behebende Vertiefungen. Bei starken Unebenheiten wird im rechten Winkel abermals abgeschliffen (Körnung bleibt die gleiche) und anschließend, um die Schleifspuren zu entfernen, wird nochmals in vorheriger Richtung nachgeschliffen. Zuletzt den Boden gründlich absaugen, was nach jedem Schleifgang durchgeführt werden sollte.

Der Mittelschliff
Der Mittelschliff sollte, mit Rücksicht auf die Begebenheit der Oberfläche, in Richtung des Lichteinfalls (vom Fenster weg) ausgeführt werden. Die Körnung kann dabei 60K oder 80K betragen. Gründliches Saugen und feuchtes Nachwischen mit einem Tuch sind erforderlich.

Der Ränder- und Eckenschliff
Vor dem Feinschliff müssen vorerst die Ecken und Ränder mit extra Randschleifmaschinen abgeschliffen werden. Ziel hierbei ist es, einen möglichst ansatzlosen Übergang zwischen geschliffenem Parkett und Randbereich zu schaffen. Kreisend ohne weiteren Druck geht man über noch nicht bearbeitete Flächen und sollte dabei ständig in Bewegung bleiben, um Schleif- und Brandspuren zu vermeiden.

Der Feinschliff
Vor dem Feinschliff werden nun kleinere Risse und Fugen mit Parkettfugenlösung ausgebessert. Überschüssige Masse wird mit einem Spachtel abgetragen. Die Masse wird mit dem Schleifstaub vermischt und ist nach ungefähr 30 bis 45 Minuten trocken. Für den Feinschliff ist eine 100er Körnung ideal. Schwer zugängliche Flächen sollten nicht vergessen werden und sind mit einem extra Aufsatz gut zu erreichen. Abermals sollte der Boden gründlich gesaugt werden.

Der Zwischenschliff und die Versiegelung

Wie der Name schon sagt, erfolgt der letzte Schliff zwischen den Versiegelungen.
Der Versiegelungs-, Parkett- oder Holzbodenlack wird in gleichmäßigen Streichbewegungen auf den Boden aufgetragen. Am besten arbeitet man von der Lichtquelle weg, so sind Fehlstellen sofort erkennbar und können nachgearbeitet werden. Jedoch empfiehlt sich beim Versiegeln direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, da sich sonst Bläschen auf der Oberfläche bilden können. Am nächsten Tag kann nun mit dem letzten Schleifgang, dem Zwischenschliff, weiter gemacht werden. Dieser ist notwendig, da das Holz durch aufquellende Fasern aufraut. Hierbei verwendet man eine Körnung von 100K bis 120K. Danach wieder gründlich säubern, um anschließend die zweite Versiegelung auftragen zu können. Nach einem Tag ist der Boden wieder begehbar, Putzmittelresistenz erlangt er nach zwei Wochen. Soll ein Boden besonders belastbar sein, ist zu drei Anstrichen geraten.

Vorhandener Bodenbelag renovieren
Soll ein alter Parkett- oder Dielenboden neu renoviert werden, ist es notwendig einige Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen die Sockelleisten, am besten mit einem kleinen Meißel, entfernt werden. Um die Wand vor Beschädigungen zu schützen, kann man kleine Holzkleie dazwischen schieben. Gelöste Holzteilchen auf der Oberfläche des Parketts sollten verleimt und abstehende Nägel versenkt werden. Sonst kann im Schleifprozess das Schleifpapier Schaden nehmen. Nun ist zu unterscheiden, ob das Parkett lediglich eine Auffrischung benötigt oder eine gründliche Bodensanierung notwendig ist. Sollen lediglich Laufspuren entfernt werden, genügt es, wenn die beschädigte Lackschicht entfernt beziehungsweise matt geschliffen wird. Dazu geht man einmal mit einem Schwingschleifer über die Fläche, um sie dann neu zu versiegeln. Ist der Boden stark beschädigt und eine gründliche Sanierung notwendig, können sie, wie oben beschrieben, vorgehen.

Welche Schleifmaschine sollte verwendet werden?
Man unterscheidet insgesamt drei Arten von Schleifmaschinen. Die Walzenschleifmaschine, die Dreischeiben-Schleifmaschine und die Bandschleifmaschine.  Die Walzenschleifmaschine hat den Vorteil, dass sie sehr robust und leicht in der Handhabung ist. Die Schleifmittel sind leicht zu wechseln, jedoch neigt die Maschine bei nicht fachgerechter Benutzung zu Wellenschliff. Die Dreischeiben-Schleifmaschine ist ein Allrounder und von Unterbodenbehandlung über Fertigparkett, von Fein- bis zum Zwischenschliff einsetzbar. Die Bandschleifmaschine ist durch die Funktion der Mehrfachverstellung des Walzendrucks auf fast jeder Holzsorte einsetzbar. Nachteil ist das Zusetzen der Umlenkrolle beim Farbschliff. Außen vor ist die Randschleifmaschine, welche durch verschiedene Aufsätze genaues Schleifen im Randbereich ermöglicht.

Welche Versiegelungsvarianten gibt es?
Grundversiegelung: Besteht aus Zellulose, Polymerkunstoffen und Füllstoffen. Sie versiegelt die Poren des Parketts und soll eine Veränderung der Holzfarbe beim Auftragen des Decksiegels verhindern.

Öl-Kunstharzversiegelung:

Ist leicht zu verarbeiten und intensiviert den natürlichen Farbton des Holzes. Trocknung erfolgt mit Sauerstoff, deswegen sollte der Raum nach dem Auftragen der Versiegelung gelüftet werden.

Polyurethanversiegelung:
Besitzt ein ausgezeichnetes Haftungsvermögen und wird meist eingesetzt, wenn an den Boden besonders hohe Ansprüche gestellt werden. Sie verfügt über eine starke Chemikalienresistenz (Putzmittel).

Säurehärtende-Versiegelung:

Weist ebenfalls eine gute Haftung auf und bildet eine sehr harte Oberfläche. Jedoch wird bei der Trocknung Formaldehyd an die Raumluft abgegeben, weswegen sie heutzutage kaum noch eingesetzt wird.

Wasserlack-Versiegelung:

Gewinnt immer mehr an Bedeutung auf Grund von Schadstoffarmut, Geruchlosigkeit und leichte Verarbeitbarkeit. Sie besteht aus Acrylaten, Filmbildner, Polyurethane und Lösungsmitteln.

Ölen statt versiegeln
Öle bilden eine Alternative zu den Versiegelungen. Es wird zwischen nicht aushärtenden und aushärtenden Ölen unterschieden. Beide Varianten bilden eine offenporige Imprägnierung und keine geschlossene Schicht aus. Nicht aushärtende Öle sind filmbildend und heben die natürliche Farbgebung hervor. Vor Schmutz schützen sie jedoch nur gering, weshalb ein anschließendes Wachsen empfohlen wird. Aushärtende Öle verfügen bereits über Kunstharze und das darin enthaltende Lösungsmittel dient dem Trocknungsprozess.

Öl-Wachs-Systeme
Mit diesem System können Sie ebenfalls Ihren Boden vor äußeren Einflüssen schützen. Das Öl tritt seinerseits tief in die Poren des Holzes ein und das nachträglich aufgetragene Wachs bildet eine Schutzschicht auf der Oberfläche. Das Wachs sollte zwar gleichmäßig jedoch sparsam aufgetragen werden, so dass keine schmierige Schicht entsteht. Dies kann man einerseits manuell oder mit einer Maschine machen. Zu unterscheiden ist zwischen Warmwachs und Kaltwachs. Kaltwachs wird, wie der Name schon sagt, kalt auf den Boden aufgetragen. Zu beachten ist, dass der Boden nicht zu kalt ist (am besten Zimmertemperatur), damit das Wachs nicht kristallisiert. Das Warmwachs wird auf circa 80 Grad Celsius erhitzt und mit einer Maschine gleichmäßig auf dem Boden verteilt. Temperaturen von über 80 Grad Celsius sollten nicht überschritten werden, da das Wachs leicht zu brennen beginnt. Vorteilhaft ist jedoch, dass Warmwachs besser als Kaltwachs in die Poren eindringt und somit eine bessere Versieglung entsteht.
Reaktionen:

2 Kommentare:

Mr. Parkettschliff hat gesagt…

habe die Nutzschicht durchgeschliffen.. leider erst danach das hier entdeckt: http://www.parkett-schliff.de/wissenswertes/beitrag/items/wie-oft-laesst-sich-parkett-abschleifen.html war ein Furnierboden

boboskit hat gesagt…

?! Die Nutzschicht durchgeschliffen, das grenzt ja an Leichenfledderei:).

Kommentar veröffentlichen

 
Design by Free Parkettboden WordPress Themes | Bloggerized by Lasantha - Premium Blogger Themes | Links